Medizin

Ansteckende Blutarmut der Einhufer in Bayern

Meldungen aus Bayern haben in den letzten Wochen zu Sorge unter Pferdehaltern geführt, denn dort gab es mehrere Fälle der gefürchteten Pferdeseuche Equine Infektiöse Anämie (EIA).
Die EIA oder „Ansteckende Blutarmut der Einhufer“ gehört zu den am meisten gefürchteten Pferdekrankheiten. An dieser durch Viren verursachten Erkrankung des Blutes und der blutbildenden Organe können neben Pferden auch andere Einhufer wie Ponys, Esel, Maultiere, Maulesel und Zebras erkranken. Auf Menschen oder andere Tierarten ist das Anämievirus jedoch nicht übertragbar.

„Das Virus bleibt im getrockneten Blut etwa sieben Monate infektionsfähig, im Kot und Harn behält es seine Infektionsfähigkeit für zwei Monate. Verbreitet wird es hauptsächlich über blutsaugende Insekten, hier vor allem durch Bremsen, die das Virus von infizierten auf nichtinfizierte Tiere übertragen. Damit sich ein Pferd mit EIA infizieren kann, muss es aber mehrfach gestochen werden“, erklärt Prof. Dr. Karsten Feige vom Ausschuss für Pferde der Bundestierärztekammer.
Die Viruspartikel werden von Pferden periodisch über Speichel, Milch und Sperma ausgeschieden und können über intakte Haut und Schleimhäute, aber auch über Wunden in den Körper aufgenommen werden. Aus diesem Grunde besteht auch unwissentlich die Gefahr einer Übertragung über Blutprodukte (Serum, Plasma, Blut) oder gemeinschaftlich genutztes Sattel- und Putzzeug. Zudem wird die Erkrankung von der infizierten Stute auf das ungeborene Fohlen übertragen. Eine direkte Infektion von Tier zu Tier ist jedoch eher sehr selten.

Feige: „Vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Auftreten erster Krankheitsanzeichen können einige Tage bis drei Monate vergehen. Innerhalb von zwei bis sieben Wochen kann die Infektion zum Tod der Tiere führen. Charakteristisch bei akutem Krankheitsverlauf sind mittel- bis hochgradiges Fieber blasse oder gelbliche Schleimhäute, punktförmige Blutungen der Schleimhaut, gerötete Augen mit vermehrtem Tränenfluss oder Blut im Kot. Tückisch ist, dass die Erkrankung heutzutage ohne Symptomatik verläuft: Diese Pferde stellen als lebenslange Virusträger und potenzielle Ausscheider des Virus eine große Gefahr für gesunde Pferde dar.“

Was kann der Pferdehalter tun?

• Um sicherzugehen, ob ein Pferd mit dem Virus infiziert ist, erfolgt ein sogenannter „Coggins-Test“. Hierbei handelt es sich um einen Nachweis von Antikörpern im Blutserum. Der Test dauert ca. drei Tage, ist kostengünstig und ungefährlich. Ist das Ergebnis positiv, gilt das Pferd als infiziert.

• Zur Vorbeugung der EIA ist es für den Tierhalter lediglich möglich, durch konsequente Bekämpfung der übertragenden Insekten und Hygienemaßnahmen das Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Einen zusätzlichen Schutz bieten die sogenannten Repellentien. Das sind spezielle Wirkstoffe, die direkt auf das Pferd aufgetragen werden, um den Saugakt der Insekten zu vermeiden.

• Um die Gefahr einer Einschleppung der Seuche und ihrer Verbreitung zu reduzieren, empfehlen wir, bei jeder Form von Neuzugängen oder Bestandswechsel eine Bescheinigung über das negative Ergebnis eines Coggins-Tests zu verlangen! Dies gilt besonders mit Blick auf möglicherweise illegale Importe von Pferden aus anderen Ländern, insbesondere Osteuropa.

Achtung:
Bei der EIA handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, deren Bekämpfung staatlich geregelt ist. Schon der Krankheitsverdacht muss unverzüglich dem Veterinäramt angezeigt werden. Dieses leitet dann weitere diagnostische Schritte und Maßnahmen zur Verhinderung der Virusverbreitung ein. Hierunter fallen z. B. Maßnahmen wie Quarantäne von krankheitsverdächtigen Tieren, Bestandssperrungen und Transportbeschränkungen. Impfungen und Heilversuche sind verboten! Da bisher kein geeigneter Impfstoff auf dem Markt existiert und latent infizierte Tiere eine Infektionsgefahr darstellen, basiert die Bekämpfung neben der Durchführung von Sperr- und Quarantänemaßnahmen bisher auf der Tötung infizierter Tiere.
PM (BTK)

Borreliose-Impfung jetzt auch für Pferde!
Eine Neuheit, die Pferdehalter erfreuen wird: Die Borreliose-Impfung gibt es jetzt auch für Pferde. Bislang konnten ausschließlich Hunde durch eine Impfung vor der von Zecken übertragenen Krankheit geschützt werden. Dabei profitiert der neue Pferdeimpfstoff von der Entwicklung, die der Hundeimpfstoff erst hinter sich bringen musste: Er schützt gleich umfassend vor den drei hierzulande verbreiteten Bakterienstämmen.

Die bakterielle Borreliose oder Lyme-Borreliose ist in Deutschland die häufigste Krankheit, die von Zecken übertragen wird. Betroffen sind vor allem Menschen und Hunde, aber auch Pferde. Beim Menschen kommt es alljährlich zu mehreren Zehntausend Erkrankungsfällen. Wie viele Pferde Symptome der Krankheit entwickeln, ist noch nicht bekannt. Statistiken fehlen bislang. Blutuntersuchungen haben allerdings ergeben, dass europaweit fast jedes dritte Pferd Kontakt mit dem Erreger hatte. Ein Teil der infizierten Tiere zeigt Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich unspezifische Krankheitsanzeichen. Das Pferd wirkt matt und appetitlos, hat eventuell kurzzeitiges Fieber.

Ist ein schwerer Krankheitsverlauf möglich?

Beim Großteil der betroffenen Menschen zeigt sich zu etwa der gleichen Zeit eine sich ringförmig ausbreitende Hautrötung - die so genannte Wanderröte, die eine sofortige Behandlung mit Antibiotika bedingt. Beim Pferd tritt die Wanderröte nicht auf oder wird durch das Fell verdeckt. Unbehandelt können sich die spiralförmigen Bakterien aber weiter durch das Gewebe bohren und Monate bis Jahre später schmerzhafte Gelenkentzündungen hervorrufen. Für den Reiter zeigt sich das in einem steifen Gang und chronischem Gewichtsverlust seines Pferdes. Im schlimmsten Fall befallen die Bakterien auch Organe wie die Leber oder das Nervensystem. Das betrifft allerdings nur einen kleinen Teil der infizierten Tiere. Dass die Diagnosestellung dazu dann auch noch gar nicht einfach ist, macht die Borreliose so tückisch. Behandelt wird in jedem Fall mit Antibiotika über mehrere Wochen.

Wann ist die Borreliose-Impfung sinnvoll?
Die Behandlung ist jedoch nicht immer erfolgreich. Einzelne Borrelien können überstehen und Wochen bis Monate später einen erneuten Krankheitsschub verursachen. Deshalb ist die vorsorgliche Impfung die bessere Option. Dies gilt zumal es für Pferde keine wirksamen Präparate zum Zeckenschutz gibt. Die Borreliose-Impfung empfiehlt sich vor allem für Pferde, die oft in zeckenreichem Gebiet unterwegs sind oder auf Weideflächen mit starkem Zeckenbefall leben.

Der einzigartige Wirkmechanismus macht die Impfung besonders. Die Schutzwirkung entfaltet sich hierbei effektiv schon in der Zecke. Denn infolge der Impfung bilden sich im Körper des Pferdes spezifische Abwehrstoffe. Kommt es zum Zeckenstich, nimmt die Zecke die Abwehrstoffe mit dem Blut auf. Damit werden die krank machenden Borrelien bereits in der Zecke blockiert.

Geimpft werden können bereits Fohlen ab 12 Wochen. Für einen verlässlichen Impfschutz braucht es anfangs zwei Impfungen im Abstand von zwei bis drei Wochen. Danach muss einmal jährlich aufgefrischt werden - am besten vor der nächsten Zeckensaison.
PM

Im Blickpunkt: Selektives Entwurmen

Parasitenbekämpfung bleibt eine unverzichtbare Prophylaxemaßnahme. Möglicherweise werden aber nicht immer die richtigen Pferde behandelt. Gut durchdachtes, gezieltes Entwurmen schützt das Tier.

Jahrzehntelang wurde empfohlen: Jedes Pferd viermal im Jahr entwurmen und am besten alle Tiere einer Herde gleichzeitig. Diese Empfehlung war damals richtig, denn die Pferdebestände in Deutschland waren mit Parasiten verseucht und eine radikale Bekämpfung daher sinnvoll. Mittlerweile ist die Lage komplizierter. Großangelegte Reihenuntersuchungen des Kots von Pferden in unterschiedlichen Gegenden und den verschiedensten Haltungsformen haben vor allem drei Ergebnisse gezeigt:
• Manche Pferde sind nur noch gering verwurmt, werden aber trotzdem weiter intensiv entwurmt.
• Andere sind hochgradig verwurmt, werden aber nicht behandelt.
• Resistente Parasiten scheinen zuzunehmen.

Wie kann man darauf reagieren? Man kommt nicht darum herum, die Pferde regelmäßig vor dem Entwurmen untersuchen zu lassen. Damit können stark verwurmte häufiger behandelt werden, geringer befallene Tiere auch einmal „ausgelassen“ werden. Aus diesen Überlegungen hat sich aber bei manchen Pferdehaltern – unterstützt durch Halbwahrheiten und Fehlinformationen aus der Presse – ein großes Missverständnis eingeschlichen: Nämlich dass es generell für die Pferde positiv sei, möglichst wenig oder gar nicht behandelt zu werden – teilweise ohne die Konsequenzen genau absehen zu können. Die Entscheidung, ob entwurmt wird oder nicht, muss aber gut durchdacht sein. Schließlich sollte alles getan werden, um nicht nur die weitere Ausbreitung von resistenten Würmern zu vermeiden, sondern das eigene Pferd vor allem auch weiterhin optimal gegen die gefährlichen Folgen von Parasitenbefall zu schützen.

Kot untersuchen: nicht einfach
Im Regelfall ist die so genannte „quantitative Kotuntersuchung“ für eine Überwachung des Verwurmungsgrades eines Pferdes oder einer Pferdegruppe am besten geeignet. Dabei werden die „Eier pro Gramm Kot“ bestimmt, abgekürzt als EpG. Das Verfahren geht von einer naheliegenden Überlegung aus: Viele Würmer im Darm bewirken eine große Menge von Eiern im Kot, aber bei kaum verwurmten Tieren findet man nur wenige Eier. Im Prinzip ist das auch zutreffend, aber leider nur überschlägig.
Studien an Schlachtpferden haben gezeigt, dass Tiere mit relativ ähnlichen EpG-Werten unterschiedlich stark verwurmt sein können. Denn die erwachsenen Wurmweibchen scheiden die Eier nicht kontinuierlich in derselben Menge aus. Vor allem im Winterhalbjahr kann man mit einer EpG-Bestimmung unter Umständen ziemlich weit „daneben liegen“. Außerdem gibt es Parasiten, bei denen die EpG-Bestimmung kaum greift. Das gilt zum Beispiel für die gefährlichen Bandwürmer, deren Eier im Kot oft nicht nachweisbar sind oder für Große Palisadenwürmer. Die Eier sind unter dem Mikroskop nicht von denen der Kleinen Palisadenwürmer zu unterscheiden. Aufgrund der gefährlichen Körperwanderung der Larven der Großen Palisadenwürmer durch Organe und die Blutgefäßwände der Darmarterien können hier aber auch kleinste Wurmzahlen schon gefährlich sein.
Wichtig ist, sich nicht nur auf das Ergebnis der ersten oder einer einzelnen Kotuntersuchung zu verlassen, sondern die Werte aller Kotuntersuchungen zu archivieren. So gewinnt man nach und nach einen Überblick, welche Werte plausibel sind, oder stark voneinander abweichen.
Fazit: Die Kotuntersuchung ist im Moment das einzige praktikable Mittel, um den Verwurmungsgrad eines Pferdes überschlägig abschätzen zu können, und sie ist unverzichtbar und sinnvoll. Aber die Ergebnisse sollen mit Vorsicht bewertet werden.

Selektiv entwurmen bedeutet
: Statt alle Pferde einer Gruppe pauschal und zu festen Terminen komplett durchzubehandeln (was man früher als strategisches Entwurmen praktizierte), untersucht man zunächst alle Tiere und entwurmt dann gezielt (selektiv) nur die Pferde, bei denen es tatsächlich erforderlich ist.
Ab welchem Grenzwert behandelt werden sollte und mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe (1/15)

Ergänzung von Herrn Dr. Bartz zum Artikel in der aktuellen Ausgabe:

Stichwort "Koppel abmisten": Das tägliche "Abäppeln" der Pferdeweide ist eine wichtige Begleitmaßnahme jeder antiparasitären Therapie. Ich würde sogar noch weiter gehen: Es ist im Grunde die bedeutsamste Maßnahme überhaupt. Denn ein Pferd, das sich erst gar nicht - oder deutlich weniger - mit Magen-Darm-Parasiten infiziert, muss auch weniger behandelt werden. Aus parasitologischer Sicht dürfte es genügen, wenn die Koppel alle fünf Tage abgesammelt wird. Aber weil die Kothaufen doch durch Vögel, Würmer und Wetter schnell verteilt werden, und auch aus disziplinarischen Gründen, empfiehlt es sich eigentlich, einfach jeden Abend schnell die "Ausbeute" des Tages aufzusammeln und zu entfernen.
 

Entspannte Geburt bei Pferdemüttern

Stuten sind nach einer Geburt sehr verschwitzt. Doch das hängt nicht unbedingt mit dem Stress zusammen. Foto: Lenz

Eine Fohlengeburt bedeutet Stress. Das weiß man und das ist so. Nicht ganz, Forscher aus Wien beweisen das Gegenteil.

Entgegen bisheriger Annahmen verlaufen die Geburten bei Pferden in einem Zustand der Ruhe und Entspannung und sind – im Gegensatz zu vielen anderen Spezies – offensichtlich nicht mit Schmerzen und Stress für das Muttertier verbunden. Ein Forschungsteam der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat im Rahmen einer Untersuchung am Graf-Lehndorff-Institut für Pferdewissenschaften das Geburtsverhalten von 17 Stuten des Haupt- und Landgestüts Neustadt/Dosse in Brandenburg mit Hilfe eines Elektrokardiogramms aufgezeichnet. Anhand von Blut- und Speichelproben der Tiere wurden die Stresshormone Cortisol und Adrenalin bestimmt. „Die normale Pferdegeburt ist das Gegenteil einer Stressreaktion“, fasst die Wissenschaftlerin Dr. Christina Nagel die Ergebnisse der Studie zusammen.    

Kürzer als gedacht
Mit durchschnittlich zehn bis 20 Minuten Dauer verläuft eine Geburt beim Pferd deutlich kürzer als beim Menschen oder bei Kühen. Aufgrund einer verzögerten Erregungsleitung stieg die Herzfrequenz während der Geburt bei der Mutterstute nicht. Überraschenderweise setzten bei der Mehrzahl der untersuchten Tiere sogar immer wieder einzelne Herzschläge aus. Eine solche Herzrhythmusstörung ist bei Pferden jedoch nicht ganz unbekannt, kommt diese auch durchaus im Ruhe-
zustand vor.     
Auch die Annahme, dass bei Stuten ein sogenannter „Adrenalinstoß“ während der Geburt auftreten würde, konnte im Rahmen der Studie nicht bewiesen werden. Die Geburt bewirkte also keine hormonelle Stressreaktion. Es wurde sogar eine messbare Erleichterung des Muttertieres während des Kontaktes mit dem Fohlen beobachtet. Angst um den Nachwuchs scheint es für das Pferd somit nicht zu geben.     
Diese Gelassenheit der Mutterstuten gilt in der freien Wildbahn als Vorteil für das eigene Überleben, so die wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen. Die Stute kann den Geburtstermin im Falle einer Bedrohung zeitlich steuern. Erst bei Abwesenheit von Gefahr wird der Geburtsprozess in Gang gesetzt und verläuft dann üblicherweise in kürzester Zeit.
Anke Klabunde