Haltung & Management

Neue Studie zum Tierwohl in der Haltung

Foto: Dr. Miriam Baumgartner

Die Studie unter dem Titel „Entwicklung eines Bewertungssystems zur Beurteilung der Tiergerechtheit von Pferdehaltungen als Bestandteil eines Nachhaltigkeitsmanagementsystems“ ist in der Hochphase. Hier der Stand der Dinge. 

„Geht es den Pferden in ihrer Haltung gut?“ Diese Frage stellt sich ein Forscherteam der Technischen Universität München-Weihenstephan. Die Antwort soll das „Weihenstephaner Bewertungssystem für Pferdehaltungen“ liefern, das erstmals sowohl praxistaugliche, als auch wissenschaftlich fundierte Kriterien berücksichtigt.

Pferde können mit Futter und Wasser „überleben“. Um sich aber wohlzufühlen und damit dem Anspruch des Tierschutzgesetzes zu genügen, brauchen sie aber viel, wie z.B. ausreichend Bewegung, Sozialkontakte und geeignete Umweltbedingungen. Deshalb suchen Wissenschaftler an der TU-München nach Indikatoren, die aufzeigen, in wieweit Pferde in der Einzel- und Gruppenhaltung ihren arteigenen Verhaltensweisen und Bedürfnissen nachgehen können. Die zentrale Frage ist: Können sich Pferde in ihrer Haltung wohlfühlen oder verursacht diese möglichweise sogar Schmerzen, Leiden und Schäden? Bisherige Untersuchungen der Forschergruppe ergaben, dass neben einfach messbaren „Zollstock“-Indikatoren wie Liegeflächengröße oder Auslaufgestaltung auch spezielle Indikatoren aus dem Bereich der Tiergesundheit und dem Verhalten wichtige Informationen über das Tierwohl liefern.

Zweistufiger Aufbau
Das Bewertungssystem ist zweistufig aufgebaut. Das erste Modul beinhaltet eine kurze „Knock-out-Kriterien-Liste“. Mit dieser werden die absoluten Mindestanforderungen übergeprüft, denen eine Pferdehaltung genügen muss. Das zweite Modul ist das eigentliche Bewertungssystem. Mit diesem erfolgt dann eine differenzierte Beurteilung des jeweiligen Pferdebetriebes mit anschließender Auszeichnung.

Das Bewertungssystem wird nach der Etablierung für sämtliche Gruppen- und Einzelhaltungsverfahren (gemäß den „Leitlinien zu Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ des BMEL, 2009) anwendbar sein. Das Projekt wird fachlich durch Projektpartner unterstützt, die wichtigen Institutionen der Pferdebranche angehören (Deutsche Reiterliche Vereinigung/ FN e.V., Laufstall-Arbeits-Gemeinschaft/ LAG e.V., Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft/ DLG e.V., Gesellschaft für Pferdemedizin/ GPM e.V., Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit/ LAVES, Fa. HIT Hinrichs Innovation + Technik GmbH, Fa. Röwer&Rüb GmbH). Darüber hinaus begleiten weitere Wissenschaftler das Projekt (Frau Prof. Christine Aurich/ Neustadt/Dosse & Universität Wien; Frau Prof. Ute Knierim/Universität Kassel-Witzenhausen). „Vertreter von Industrie, Wissenschaft, Behörden und Verbänden an einen Tisch zu bringen, hat sich hervorragend bewährt und soll für die folgenden drei Jahre auf weitere Interessenvertreter ausgeweitet werden“, wie die Projektleiterin Frau Dr. Zeitler-Feicht betont.  

Ziel des „Weihenstephaner Bewertungssystems“ ist es, den Tierschutz in der Pferdehaltung deutschlandweit zu verbessern. Dazu soll ein Schulungszentrum für Betriebsleiter und Pferdehalter sowie für Inspekteure mit beratender Tätigkeit etabliert werden. Das Bewertungssystem soll einerseits zur betrieblichen Eigenkontrolle (TschG §11 Abs. 8, 2013) genutzt werden können. Andererseits ist eine Zertifizierung mittels Plaketten für besonders tiergerechte Pferdehaltungen geplant, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Projektleiterin: Dr. Margit H. Zeitler-Feicht, Projektbearbeiterin: Dr. Miriam Baumgartner

 

 

Wie Tränkeeinrichtungen das Trinkverhalten des Pferdes beeinflussen

Trinken gehört zu den lebensnotwendigen Grundbedürfnissen von Tieren. Während Wildpferde in der Regel nur einmal täglich, spätestens jedoch jeden zweiten Tag ihre Wasserstelle zum Trinken aufsuchen und hierfür nicht selten viele Kilometer zurücklegen müssen, haben es ihre domestizierten Artgenossen häufig einfacher. Ihre Wasserquelle befindet sich in ihrer unmittelbaren Nähe und steht ständig zur Verfügung - so der Idealfall. Auf diese Weise trinken die Tiere mehrmals täglich in kleineren Mengen das kühle Nass.

Pferde sind sogenannte Saugtrinker. Bei der Wasseraufnahme pressen sie Ober- und Unterlippe fest zusammen und lassen lediglich eine kleine Öffnung frei, durch die die Flüssigkeit in großen Zügen eingesogen und unter Kaubewegungen geschluckt wird. Bei der natürlichen Trinkhaltung bilden Kopf und Hals des Vierbeiners eine Linie und sind abwärts gestreckt. Für eine optimale Platzierung der Tränkvorrichtung empfiehlt sich aus diesem Grund daher ein Niveau des Wasserspiegels von höchstens 0,3 bis 0,4 x Widerristhöhe. Zu hoch angebrachte Tränkbecken oder Tränken weit unterhalb der Standfläche werden von der Sachverständigengruppe tierschutzgerechte Pferdehaltung als nicht pferdegerecht eingestuft.

Aufgrund seines hohen Sicherheitsbedürfnisses bevorzugt es das Fluchttier Pferd, auch beim Trinken seine Umgebung immer beobachten zu können. Es empfiehlt sich daher, auf der Weide sowie in Offen-, Lauf- und Bewegungsställen die Tränkvorrichtungen an einer übersichtlichen und möglichst von allen Seiten frei zugänglichen Stelle in weiter Entfernung von Futter- und Ruheplatz zu positionieren. Bei größeren Herden ab 15 bis 20 Tieren sollten immer ausreichend viele Tränken in einem großzügigen Abstand zueinander zur Verfügung stehen, damit auch rangniedrige Pferde ständig stressfrei ihren Durst stillen können. Ein befestigter Untergrund im Umfeld der Tränke hilft, Morastbildung zu vermeiden.

Traditionell werden in den Pferdeställen dieser Welt kleine Tränkbecken mit Rohrventilen oder Edelstahlzungen installiert. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass die Vierbeiner Behälter mit einem großen Durchmesser bzw. Fassungsvermögen bevorzugen. Darüber hinaus ist der Flüssigkeitsnachschub der kleinen Pferdetränken oftmals zäh, so dass die Tiere im Zweifel nur ihren Minimalbedarf decken. Bei großzügig dimensionierten Tränkeinrichtungen ist die Nachfrage nach dem kühlen Nass seitens der Pferde meist deutlich ausgeprägter.

Neben der Menge ist die Güte des Trinkwassers von entscheidender Bedeutung. Geschmack und Geruch haben maßgeblichen Anteil an der Akzeptanz seitens der Pferde. Diese reagieren ausgesprochen empfindlich auf Schadstoffe und nehmen verunreinigtes Wasser nur bei großem Durst auf. Mit Fäkalien verschmutzte Tränkbecken in der Box oder der mit Algen durchsetzte Wasserbottich auf der Weide sind nicht selten die Ursache für eine Verweigerungshaltung der Tiere. Oft wird auch das Schadstoffproblem vor allem bei Naturwasser verkannt.
Anke Klabunde/ www.aid.de

Wie sieht es aus in der Pferdehaltung Deutschlands?

Das Forschungsprojekt „Strukturdatenerfassung pferdehaltender Betriebe in Deutschland“, durchgeführt vom Lehrstuhl für Agrarmarketing an der Georg-August-Universität Göttingen und der HorseFuturePanel UG (haftungsbeschränkt), leistet seit Ende des vergangenen Jahres einen ersten Schritt zur flächendeckenden Erfassung grundlegender Strukturen in der Pferdehaltung.

Ziel dieses Projektes ist es, im Rahmen unabhängiger Forschung gewonnene Daten zur Weiterentwicklung der Branche bereitzustellen. Mittlerweile liegen erste Zwischenergebnisse der Studie vor und geben nicht nur einen Einblick in den Status Quo, sondern auch in Zukunftspläne und -erwartungen der deutschen Pferdehalter. Die Zwischen-Ergebnisse können Sie unter  www.uni-goettingen.de/pferdehalter einsehen.
 
So kann man mitmachen
Um eine möglichst breite Datenbasis bereitstellen zu können, hofft das Göttinger Forschungsteam auch weiterhin auf eine hohe Umfragebeteiligung aller Pferdehalter in Deutschland.Bisher haben knapp 850 Pferdehaltungen daran teilgenommen. 
Die Beantwortung der Umfrage ist anonym und nimmt ca. 10 bis 15 Minuten in Anspruch. Am Schluss der Umfrage besteht für alle Teilnehmer die Möglichkeit sich mit ihrer E-Mail-Adresse zu registrieren, um über weitere Informationen sowie Zwischen- und Abschlussberichte informiert zu werden.
Über folgenden Link gelangen Sie direkt zur Umfrage ww3.unipark.de/uc/Pferdehalter/.

Sicherheitstipps beim Führen

Das Pferd ausschließlich am Führstrick führen – führt man es nur am Halfter und es reißt den Kopf hoch, kann dies zu Verletzungen an Hand und Schulter führen.

Handschuhe tragen – das verhindert Verletzungen, wenn der Strick durch die Hand gezogen wird.

Nur ein Pferd führen – werden zwei oder mehrere Pferde gleichzeitig geführt, gerät der Pferdeführer in Gefahr. Geht er zwischen zwei Pferden, hat er keine Möglichkeit, auszuweichen.

Den Führstrick niemals um die Hand wickeln – dieser kann nicht rechtzeitig gelöst werden. Der Pferdeführer kann vom Tier hinter sich hergeschliffen werden. Auch Fingeramputationen sind mögliche Folgen.

Wendungen immer nur nach rechts vornehmen – zieht man das Pferd zu sich, besteht die Gefahr, dass es einem auf den Fuß tritt oder einen umstößt.

Auf genügend Abstand achten, wenn hintereinander geführt wird – gerät man zu dicht an das vor einem laufende Pferd, besteht die Gefahr des Ausschlagens.

SVLFG

Über den Zaun geblickt

Gegnseitiges Bekraulen ist nur möglich, wenn kein Stromband über denZaun läuft. Foto: Mösenbacher-Molterer

Elektro-Umzäunungen gibt es auch bei Paddocks. Die Frage ist, ob solche Einzäunungen dem Tierschutz widersprechen und welche Einzäunung für welche Pferde passend ist.

Die Paddockhaltung als Alternative zur reinen Boxenhaltung erfreut sich immer größerer Beliebtheit, zumal sie den Pferden durch Klimareize und eine freie Wahl des Aufenthaltsortes verbesserte Haltungsbedingungen verschafft. Denkt man an Pensionsställe für Sport- und Freizeitpferde, so sind die Pferde großteils in Einzelboxen untergebracht, wobei diese zum Wohl des Pferdes bereits vielfach um Paddocks erweitert wurden. In Ställen mit hoher Fluktuation im Pferdebestand, bei unverträglichen Pferden oder in der Hengsthaltung werden hierbei vielfach stromführende (Teil-) Umzäunungen verwendet. Laut österreichischem Tierschutzgesetz §5 Abs. 1 ist es „…verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.“ bzw. Abs. 2: „Gegen Abs. 1 verstößt insbesondere, wer …. technische Geräte, Hilfsmittel oder Vorrichtungen verwendet, die darauf abzielen, das Verhalten eines Tieres durch Härte oder durch Strafreize zu beeinflussen.“, wobei es eine Veröffentlichung gibt, welche einen unter schwachem Strom stehenden Weidezaun als zulässig erklärt.
Der Gesetzestext lautet in Deutschland ähnlich. Das DLG-Merkblatt 342 „Gestaltung von Pferdeausläufen“ empfiehlt, dass die Einzäunung von Paddocks keine stromführenden Elemente haben soll, da sonst die ohnehin geringen Bewegungsmöglichkeiten noch weiter eingeschränkt werden. Momentan also ein tierschutzrechtlicher Graubereich hinsichtlich der stromführenden Einzäunung von kleinräumigen Flächen – vermeintlich negative Aspekte wie vermehrter Stress und dadurch verringertes Platzangebot (Respektabstand zum Zaun) stehen den positiven Aspekten wie „Schutz“ vor dem Nachbarpferd – Reduktion von Verletzungen und negativen Sozialkontakten, gegenüber.

Weniger Paddockbesuch?
Untersucht wurden infolge dessen stromführende Paddock-Umzäunungen hinsichtlich ihrer Tiergerechtheit mittels Videobeobachtungen und Herzratenvariabilitätsmessungen als Stressanzeiger, wobei es vor allem um die Ausarbeitung sämtlicher positiver und negativer Aspekte ging. Weiters erfolgte eine genaue Vermessung der teilnehmenden Pferde (unterschiedlicher Rassen und Alter), um auf geeignete Mindest-Paddockgrößen für jeden Pferdetyp schließen zu können.
2012 gab es zu dieser Thematik bereits ein Projekt in der Schweiz, wobei freistehende Einzelpaddocks mit Größen von 36m² und 12,25m² (je zwei Varianten: Holzzaun und alleinige Elektroumzäunung) untersucht wurden. Dabei wurden Unterschiede zulasten der kleineren Flächen sowie der Stromumzäunung lediglich hinsichtlich der Flächenausnutzung (Vermeidung der Randzone) gefunden.
In Deutschland wurden Paddocks mit einer Größe von 22,8m² untersucht, wobei die Umzäunungstypen Zinkrohr 3-rohrig sowie Elektroband (2-fach, Stärke 13mm) zum Einsatz kamen. Hierbei waren lediglich fünf Pferde (vier Stuten, ein Wallach) Bestandteil der Untersuchungen und die Beobachtungen erfolgten erst nach einer einwöchigen Eingewöhnungsphase, wobei das Hauptaugenmerk auf der Nutzungsintensität des Paddocks lag. Hinsichtlich der durchschnittlichen Anzahl der Paddockbesuche pro Tag und Pferd konnten keine bedeutenden Unterschiede festgestellt werden. Es ergab sich jedoch eine geringere Anzahl an sozialen Interaktionen bei der Elektroeinzäunung.
Erklärtes Ziel war es, mit unterschiedlichen Gruppen hinsichtlich Rasse, Geschlecht und Alter sowie einer größeren Anzahl an Tieren den Einsatz von stromführenden Teilumzäunungen bei Paddocks ohne Eingewöhnungsphase zu untersuchen.
Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der aktuellen Ausgabe von Pferde Zucht und Haltung zu lesen (1/15)